Rückkehr der Managerkranheit: Neue Werte braucht das Land.

Kürzlich habe ich an dieser Stelle, die neue, von mir konzipierte Website des schweizer SinnCoach Zsolt Joanovits vorgestellt, der als Business Coach für leitende Manager seit Jahren im deutschsprachigen Raum erfolgreich unterwegs ist. Dabei geht es fast immer um Burn- oder Bore-Out Phänomene von gestressten Unternehmensführern, die den Sinn in ihrer Aufgabe oder gar in ihrem Leben kurzfristig verloren zu haben glauben. Rückkehr der Manager-Krankheit oder die richtige Zeit für “Higher Ground Leadership“?
Unlängst lese ich einen Gast-Post im Düsseldorfer Business Club-Blog “innovativ in” von Markus Albers, einem Journalisten und Autor des Buches “Morgen komm ich später rein“, der - so könnte man fast meinen -, die Hintergründe liefert, warum Manager und Mitarbeiter heute so erhebliche Probleme haben, ihre Arbeit zu lieben und darin einen befriedigenden Sinn zu finden…
In seinem Beitrag “7 Ursachen, warum man im Büro nicht arbeiten kann” kommen doch scheinbar einfache, wie bewegende Fakten zu Tage, die allerdings im Einzelfall heftige Probleme auslösen können. In der Kurzform liest sich das so:
- Ablenkung durch immer neue Dinge, die unsere Aufmerksamkeit erfordern.
- Meetings ohne Sinn und ohne Ende.
- Mitarbeiter, die uns ständig ablenken und von der Arbeit abhalten.
- Arbeitsweg der uns stundenlang auf die Straße zwingt, statt produktiv zu sein.
- Atmosphäre die eher depressiv als kreativ macht.
- Ausstattung die wir heute nicht mehr brauchen.
- Langeweile: Viele leiden heute unter Bore-Out. Ist fast genau so schlimm wie Burn-Out.
Besonders deutsche Männer sehen sich ja immer gerne als “harte Kerle” und wollen die schleichenden Anzeichen nicht wirklich wahrhaben, die sie sich selbst als “Ich bin doch kein Weichei” oder “Warmduscher” von der inneren Festplatte fegen: Depressison, Gewichtszu- oder abname, Impotenz, Schlafstörungen, Gereitzheit u.v.m. bis hin zur Selbsterniedrigung, Selbstaufgabe oder gar Selbsttötung. All diese Faktoren sind ernst zu nehmen und wahrlich kein “Spielball großer Jungens”. Wandern solche Faktoren in die ganz hohen Etagen, kommen die bekannten Fehlentscheidungen deutlich zum Vorschein, die immer häufiger durchs TV oder die Bücherwelt geistern (erinnere nur an den Titel “Nieten in Nadelstreifen”). Kein Wunder, wenn Manager nicht mal mehr Vertrauen zu Managern haben: “Ganze 70 Prozent der Manager sorgen sich bei einem Jobwechsel, ob Zusagen aus Vertragsverhandlungen auch tatsächlich eingehalten werden” (Details auf Blog Faktor-G).
Wie schön, dass die noch junge Generation der “Kulturell Kreativen” andere Werte kennt, als den teuren Firmenwagen oder die lockende Beförderung. Wertschätzung schenken viele lieber der Familie und den Freunden, als einer Firma, die es ja häufig auch gar nicht mehr verdient hat. Noch bevor man die legendäre “Goldene Uhr” zur Pensionierung bekommen würde, ist man heute längst mehrfach gekündigt oder die wunderbare Weltfirma hat selbst längst Pleite gemacht. Das Ziel kann also nur sein, sich selbst seine eigenen Werte zu schaffen oder in den Dienst einer werteverbindenden Gemeinschaft zu stellen, wie sie die Kulturell Kreativen (LOHAS ist nur der Marketingbegriff für diese) leben wollen. Ob durch nachhaltiges Denken und Handeln, wertschätzenden Umgang mit anderen Menschen und auch gelebter Spiritualität - der positive, gesamtgesellschaftliche Paradigmenwechsel geht bedeutsam voran.
Die Zeichen stehen deutlich auf Veränderung. Auch wenn sie von vielen Menschen kaum beachtet werden, weil sie im täglichen Überlebenskampf nichts mitkriegen oder nichts mitkriegen wollen. Erstaunlich wäre für jene dann doch, dass Nachhaltigkeits-Plattformen und LOHAS-Foren wie Pilze aus dem Boden wachsen. Allein das Netzwerk Utopia hat in 10 Monaten weit über Zwanzigtausend Community Mitglieder gewinnen können. Oder etwa das Frankfurter Werteportal Bizzlounge, konzipiert als wertschätzende Alternative zu Xing, öffnet auch in diesen Tagen seinen Relaunch der Plattform und erwartet hohe Mitgliederzahlen. Hier gibt es nach kostenloser Anmeldung, neue Informationsquellen (integrierte Fach Blogs) und spannende Netzwerk-Features, für Menschen mit anderen Wertvorstellungen.
Schauen Sie einfach genau hin: “77 Wege zum Glück” von Wolff Horbach oder “Alles ist gesagt. Jetzt braucht es Beipiele.” vom Altmeister der Kulturell Kreativen Karl Gamper, werden Bestseller oder verkaufen sich wie warme Semmeln. Unternehmensberater wie Alexander von Keyserlingk propagieren den “Slowretail“. Junge Menschen sorgen sich um die Zukunft und gründen Firmen wie armedangels (Köln), true fruits (Bonn), pick-a-pea (Köln), um nur einige zu nennen. Erfolgreiche Wissenschaftler “kippen um” und entschleunigen ihr und unser Leben, wie der neue Kultspeaker Eckhart Tolle, dessen DVDs sich millionenfach verkaufen. Warum? Weil Bedarf da ist, Bedarf an Wegen auf der Suche nach einem besseren Leben. Jeder für sich selbst und doch gemeinsam für uns alle und die, die nach uns kommen.
Fazit: Nach der Überflussgesellschaft und der damit verbundenen Erkenntnis, das Besitz und Wohlstand allein nicht glücklich machen und Massenproduktion oder boomende Globalwirtschaften eher unsere Welt ruiniert haben, beginnt jetzt offenbar das Zeitalter der inneren Einkehr und Besinnung auf wirkliche Werte. Führungskräfte sind nur so gut, wie die Gesellschaft, aus der sie kommen. Also fangen wir an und ändern wir gemeinsam unsere Sozialutopien in eine reale Zukunft. Lassen Sie uns alle inspirierende Vorbilder werden. Jeder auf seinem Gebiet. Heute. Jetzt.
DET MUELLER
“Wir wünschen uns bewusst handelnde Führungspersönlichkeiten, die nicht einfach das tun, womit sie durchkommen, sondern anderen mit Liebe und Respekt begegnen und ein inspirierendes Leben verkörpern.” - Lance Secretan -
Payed Photo | © Fotolia | muellerkonzept 2008
Lohas steht für "Lifestyle of Health and Sustainability", dem Lebensstil, der sich an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientiert. Er gilt heute u.a. als Synonym für Strategischen Konsum, Wertschätzung und Dankbarkeit.
Beobachtet und vorgestellt von Det Mueller, nachhaltig denkender Mensch, Künstler (Mario van Middendorf), Autor und Ex-Werbeprofi aus Köln. Herzlichen Dank an jetzt 15.000 Leser monatlich...