LOHAS: Ein Perpetuum Mobile?
Freitag, 10. Okt 2008 16:01 von Det Mueller
Immer noch kann man häufig bei Journalisten eine eher kritische bis ablehnende Haltung gegenüber LOHAS Aktivitäten spüren und in ihren Artikeln herauslesen. Allerdings gibt es ja Kreise, in denen Kritik grundsätzlich als Qualitätsfaktor gilt und Zustimmung eher als Schwäche. Und so richtig contra können sie ja nicht sein, denn es geht um die Welt. Also suchen sie sich gerne Schlupflöcher, um doch ein bisschen rumzustänkern, in der vermeintlich heilen LOHAS Welt…
In bunter Vielfalt kann man so auch heute oft lesen, dass LOHAS nichts anderes sei, als ein Konsumverhalten “der neuen Ökos”, bei dem die “Weltverbesserung” zweitrangig, aber die Rettung des eigenen, guten Gewissens vordergründig festzustellen sei.
Und wissen Sie was, ich find´ das völlig okay. Und will Ihnen auch gerne sagen warum:
Es geht nämlich längst nicht mehr darum, wie man etwas tut oder warum. Jetzt geht es darum, dass überhaupt jemand etwas tut! Die Zeit wird nämlich knapp. Das ist die Botschaft und genau das haben auch viele Journalisten leider noch immer nicht verstanden.
Einmal ist ja jede neue Idee anfangs von soviel Kritik umgeben, dass man sich fünfzig Jahre später fragt, wie sie überhaupt überleben konnte. Bei LOHAS ist das noch intensiver, denn es ist nicht nur eine Idee, sondern ein mittlerweile real existierender Wertewandel. Jede öffentliche Meinung zum Thema LOHAS kann Menschen beeinflussen, in die eine oder in die andere Richtung. Auf jeden Fall machen sich Menschen aber offenbar heftig Gedanken. Und das ist gut so, denn viele handeln so auch schon nachhaltig und ökorrekt zukunftsorientiert: 500 Milliarden Euro Umsatz mit LOHAS Produkten und Dienstleistungen pro Jahr, sind ja wohl kaum ein Pappenstiel, geschweige denn, eine befriedigte Nachfrage von Randerscheinungen, die sich einfach ignorieren ließe. Vom nachhaltigen TShirt, übers Hybrid Auto bis zur industriellen Solaranlage - jeder Euro dieser 500 Milliarden ist auch in unsere Zukunft investiert worden!
Was mir zudem fröhliche Laune macht, weil es meine innere Meinung spiegelt ist, das Zitat des Kulturwissenschaftlers Nico Stehr [Autor des Buches: Moralisierung der Märkte]: “Selbst die zartesten Versuche, ökologisch bewusst zu handeln, sind wirksam, weil sie einen sich selbst verstärkenden Prozess anstoßen, durch den die Märkte immer moralischer werden”.
Und das ist genau die große Chance für die LOHAS Idee: ohne großes Zuführen von äußeren Kräften trägt sie sich selbst und hält sich in ständiger Bewegung. Vorbilder, Vordenker, Vorleber, Nachahmer, Nachmacher, Mitmacher und sogar Trittbrettfahrer - jeder trägt auf seine Art dazu bei, das “Perpetuum Mobile” LOHAS mit einem ständigen Prozess der Erneuerung auf andere Menschen zu übertragen. Ob einer nur mit dem Rad zur Arbeit fährt, ob ein anderer Mensch sein Gemüse nur beim Bio-Bauern kauft, ob ein dritter auf einen Langstreckenflug im Jahr verzichtet oder ein vierter tatsächlich ein Hybrid Auto anschafft - jede Handlung für sich ist klein und doch so wertvoll. Es steckt an und vervielfältigt sich von allein. Der fünfte wird nämlich schon überlegen, ob er seine nächste Küche doch besser bei einem nachhaltig produzierenden Betrieb kaufen wird und der sechste erkennt, dass ein Kurztripp nach Mallorca mit dem Flieger ökologisch gesehen absoluter Schwachsinn ist.
Sozialromantik? Nein, ich glaube nicht, denn diese Dinge geschehen alle vor einem Hintergrund, den wir nicht mehr wegdiskutieren können: Der Welt geht es schlecht, aber es liegt in unserem Handeln sie tatsächlich zu retten. Und die Zeichen stehen auf Erfolg, denn Werte zu haben und zu leben ist wieder angesagt!
Leben Sie wertschätzend! Ihr Det Mueller
Ja, das mit den Journalisten ist so ne Sache. Die sind auf ihren Job angewiesen, den sie nur haben wenn ihr Blatt gut verkauft wird. Nur eine Zeitung in der Zustimmung zu lesen ist oder gar echtes Wissen verkauft sich halt nicht …
Gerhard Zirkel