Actimel von Danone: Besonders dreister Fall legaler Verbrauchertäuschung.
Donnerstag, 19. Mrz 2009 13:19 von Det Mueller
Actimel, das vermeintliche Wundermittel gegen Erkältungen, beschert seinem Hersteller Danone Millionenumsätze. Dafür ist dem Joghurt-Fabrikanten so ziemlich jedes Mittel recht: Actimel-Gutscheine liegen in Arztpraxen aus, Kinder werden in Werbespots “actimelisiert”, und um die wundersame Gesundheitswirkung des Drinks zu “belegen”, bezahlt der Konzern Dutzende von Studien.
Wissenschaft und Werbung gehen bei Danone offenbar Hand in Hand. foodwatch hat die Erfolgsgeschichte von Actimel längst als Marketing-Schwindel entlarvt, denn tatsächlich ist der Drink kaum besser als jeder gewöhnliche Naturjoghurt, dafür aber vier Mal so teuer und doppelt so süß. Ein großes probiotisches Märchen also - daher auch die Nominierung für die Wahl des “Goldenen Windbeutels 2009″, der dreistesten Werbelüge.
Nun jedoch hat die Zeitschrift Öko-Test Actimel getestet und für “gut” befunden. Danone wäre nicht Danone, wenn der Konzern das nicht lautstark per Werbespot in die Wohnzimmer der Republik posaunen würde. Gibt es also doch den unabhängigen Beleg für die Wirksamkeit von Actimel? Bietet das zuckrige Getränk tatsächlich Schutz vor Erkältungen? Keineswegs - und sogar ganz im Gegenteil. “Vorsicht Zuckerbomben!” warnt Öko-Test selbst im Text zum Test - und wird noch deutlicher: “Es gibt keinen Grund probiotische Produkte essen zu müssen.”
Wie es dennoch zu der Note “gut” kam, ist schnell erklärt: Das zentrale Werbeversprechen von Actimel - dass der Joghurtdrink die Abwehrkräfte stärke und vor Erkältungen schütze - hat Öko-Test überhaupt nicht untersucht. Getestet wurde vor allem, ob Schadstoffe aus der Verpackung ins Produkt gelangen und wie der Geschmack ausfällt (”süß, mild, säuerlich”). Tendenziell “säuerlich” müssten nun die Verbraucher reagieren. Denn ihnen werden in der Danone-Werbung zwei Botschaften überbracht: Das Testergebnis “gut” und das Gesundheitsversprechen von Danone. So entsteht der falsche Eindruck, als sei von unabhängiger Seite bewiesen, dass der Zuckerjoghurt tatsächlich wirksam Erkältungen vorbeuge. Dass das eine mit dem anderen so viel zu tun hat wie ein Storch mit dem Kinderkriegen - sei’s drum.
Das foodwatch-Testergebnis ist klar: Hier wird das Öko-Test-Siegel irreführend verwendet. Und zwar auf Kosten der Konsumenten. Actimel bleibt daher trotz Note “gut” ein besonders dreister Fall von legaler Verbrauchertäuschung - und ein würdiger Kandidat für den “Goldenen Windbeutel”. Wählen Sie noch bis zum 19. März (heute!) unter insgesamt fünf Kandidaten ihren Favoriten, die dreisteste Werbelüge des Jahres.
Weitere Infos und bis 19. März noch abstimmen, wer der dreisteste Werbelügner ist hier <<<
Bleiben Sie wertschätzend und kritisch: Det Mueller
Also wirklich,
hier Actimel an den Pranger stellen und daneben ist ein Werbebanner von TerraActiv, was ist das denn für ein Blog?!
Grüße Jack
Lieber Jack,
Kritik finde ich gut. Werde darüber nachdenken. Allerdings sollten auch Sie bedenken, dass ich auf die Auswahl bzw. Angebote meiner Werbekunden nur sehr bedingt Einfluss nehmen kann. Das beworbene Produkt kenne ich bisher nicht und es wird auch wieder wechseln. Ob das überhaupt etwas bringt Werbekunden zu tolerieren, teste ich zur Zeit. Auch für mich ist das neu.
Beste Grüße aus Köln
Det Mueller
Das Problem mit der Werbung (oftmals über die Google Anzeigen) ist mir auch schon aufgefallen. Allerdings vorallem in vielen der Abnehm-Blogs. Da fällt die Werbung viel negativer auf.
Hier habe ich es bisher noch nicht negativ wahrgenommen. Danke für das interessante Blog.
Der “Actimel-Trick” stammt sicherlich aus der Marketing-Abteilung, die beauftragt worden ist, das Produkt neu zu positionieren. Wie man sieht, reicht es nicht, nur eine neue Position zu besetzen, wenn nicht wirklich was dahintersteckt.
Es ist mittlerweile einige Zeit vergangen und Actimel hat tatsächlich den goldenen Windbeutel für den größten legalen Markenschwindel erhalten. Man sollte nun eigentlich meinen, dass diese Nachricht sich wie ein Lauffeuer verbreitet und Actimel zukünftig eingestampft wird. Allerdings hat sich das leider nicht bewahrheiten können. Einerseits ist außer im Internet nirgends von diesem Vorfall gesprochen worden. Andererseits hat Actimel schlau gehandelt und hat kurz nach den Anschuldigungen eine Initiative ins Leben gerufen, bei welcher man mit dem Kauf einer Actimel-Packung immer auch einen Teil an die SOS-Kinderdörfer spendet… Actimel verkauft sich also weiterhin ausgezeichnet …