Victoriasee-Barsch aus nachhaltiger Fischerei: Erstmals Betrieb in Entwicklungsland zertifiziert

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“Deutsche See”, Naturland, die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) und andere haben sich vor 3 Jahren, im Jahr 2006 zusammengeschlossen, um in einem Pilotprojekt die erste Fischerei in einem Entwicklungsland auf Nachhaltigkeit umzustellen.

Nach drei Jahren intensiver Arbeit sind jetzt rund 700 Fischer aus Bukoba in Tansania nun erfolgreich zertifiziert, und ihre Produkte dürfen das „Naturland Wildfisch“-Siegel tragen. Dieses Siegel steht für nachhaltige Fischerei und beinhaltet zahlreiche ökologische und soziale Kriterien. Es ist kein Biofisch-Siegel, da Wildfischereien nicht biozertifiziert werden können.


Grundvoraussetzung für die Realisierung war zunächst, dass sich die kleinen lokalen Fischereien zu einer großen Erzeugergemeinschaft zusammenschlossen. So konnten in den Produktionsstätten einheitliche europäische Management- und Hygienestandards implementiert werden. Die Produktionen verfügen heute über zertifizierte Qualitätsmanagement-Systeme sowie eine moderne Verarbeitung und Logistik.

Außerdem führte man ökologische und soziale Standards ein. Zum Beispiel wurden adäquate Wohnsituationen für die Fischerfamilien und Bildungsangebote für ihre Kinder geschaffen. Regelmäßig werden Sicherheitsschulungen für Erwachsene durchgeführt. Es gibt eine flächendeckende Gesundheitsversorgung, mobile Gesundheitsservices für entlegene Gebiete, ausreichend sanitäre Einrichtungen und einen besseren Zugang zu Trinkwasser für alle beteiligten Familien. Auch eine funktionierende Verkehrsanbindung wurde aufgebaut.”

“Deutsche See” stellt das Sortiment ab sofort vollständig auf den „Naturland-Wildfisch“-zertifizierten Victoriasee-Barsch um.
Das Engagement find‘ ich gut. Der Barsch allerdings, wirds nicht so toll finden, aber das ist ein anderes Thema*.

Bleiben Sie wertschätzend: Ihr Det Mueller

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*Nachtrag, Sommer 2011:

2009 schrieb ich diesen Beitrag nur, weil Naturland und die GTZ massgeblich an diesem Projekt beteiligt waren. Ich fand die Idee bemerkenswert, Nachhaltigkeit auch in “Entwicklungsländern” voranzutreiben. Gewinnbringend und hilfreich für alle Beteiligten.

Gestern Abend kam im Deutschen Fernsehen, eine Wiederholung des Dokumentarfilms “Darwin’s Nightmare” und mir kommen in der Tat mehr als große Zweifel, ob dieses Projekt überhaupt angebracht war. Wikipedia beschreibt die Fakten so:

“In den 1960er Jahren wurden in einem Experiment 35 Nilbarsche im Viktoriasee ausgesetzt, eine Raubfischart, die bis dahin nicht in diesem See vorkam. Ziel war es, mit diesem vermehrungsfreudigen Speisefisch die regionale Fischwirtschaft zu fördern. Doch die Folgen dieses Eingriffes in die Natur waren ungeahnt katastrophal für die Fauna des Sees – innerhalb von 30 Jahren wurden durch den gefräßigen Räuber über 400 verschiedene Fischarten ausgerottet. Weil es keine algenfressenden Fische mehr gibt, ist der See mittlerweile stark eutrophiert und die Sauerstoffkonzentration in tieferen Seeschichten sinkt ständig.”

Die Verantwortlichen von “Deutsche See”, Naturland, der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) und anderen müssen sich vorwerfen lassen, diese Fakten gewusst zu haben. Entweder durch den Film, der bereits 2005 veröffentlicht wurde, oder durch eigene Recherchen vor Ort.

Was ich besonders tragisch finde ist, dass entgegen meiner eigenen Annahme, hier würde in einem guten Projekt der einheimischen Bevölkerung geholfen, die Wahrheit doch wohl völlig anders aussieht:

Wikipedia: “Aus wirtschaftlichen Interessen wurde und wird von den Anliegerstaaten nichts gegen dieses Massensterben unternommen, da der Verkauf des Nilbarsches unter dem Namen Viktoriabarsch äußerst profitabel ist. Dies kommt der heimischen Bevölkerung aber keineswegs zugute. Der Film dokumentiert, dass vom Exportgewinn nur wenige profitieren, während zehntausende Menschen arbeitslos werden, ihre traditionelle Nahrungs- und Erwerbsgrundlage verlieren und schließlich unter unmenschlichen Bedingungen leben (und arbeiten) müssen.

Dazu kommt erschwerend der offenbar belegte Vorwurf, dass im Zusammenhang mit diesem überdimensionalen Fischgeschäft, ebenso der Handel mit Waffen erschreckende Dimensionen angenommen habe. Für den Filmemacher selbst, war das lebensgefährlich:

“Die Nominierung des Films für den Oscar 2006 in der Kategorie Bester Dokumentarfilm erwies sich für Regisseur Sauper letztlich als ein Alptraum, der ihn zwei Jahre seines Lebens kostete. Die durch die Nominierung erreichte Öffentlichkeitswirkung löste eine „Hate Campaign“ gegen ihn und die Personen, die er im Film zu Wort kommen ließ, oder die ihn vor Ort beim Film unterstützt haben, aus. Manche von ihnen wurden politisch verfolgt und inhaftiert. Hubert Sauper suchte und fand Unterstützung beim österreichischen Außenministerium, das auf diplomatischem Weg die Freilassung der inhaftierten Personen zu erwirken versuchte.”

Für mich stellt sich aber die Frage, wie man mit diesen Fakten umgehen sollte. Ich bin da mittlerweile etwas entzaubert. Seit Jahren schreibe ich hier über die verbrecherischen Machenschaften von internationalen Großbanken und ihren Satelliten wie etwa dem US Chemiekonzern Monsanto. Selbst als ich hier kürzlich berichtete, wie sogar der WWF mit Monsanto Geschäfte macht, kam kein Urschrei aus der aufgeklärten Fangemeinde.

Dabei ist das nicht mal als Vorwurf gemeint - ich denke, die Menschen werden so häufig mit so unvorstellbar gemeinen und verbrecherischen Fakten fast täglich konfrontiert, dass einem aus lauter Verzweiflung nicht nur sprichwörtlich die Spucke wegbleibt, sondern man sich selbst nur noch als hilfloses Rädchen in einem riesigen Tümpel von Korruption und Menschenverachtung empfinden muss.

Det Mueller,  21. Juli 2011

Geschrieben in Lohas Food, Lohas Angebote

3 Kommentare bisher

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  1. 25. Juni 2009 um 11:18 Uhr

    Michael Krause (hessnatur) sagt,

    Hallo,

    der Ansatz dieses Projekt klingt für mich zunächst sinnvoll und auch nachhaltig. Es scheint den Menschen zu nützen, die vor Ort in den Fang des Barsches eingebunden sind.

    Aber was mich interessieren würde: Wie steht das Projekt im Zusammenhang mit der Geschichte des ganz und gar nicht nachhaltigen Viktoriasee-Barsches? Diese Fischart hat das Ökosystem des Sees aus den Angeln gehoben und dazu geführt, dass tonnenweise Fisch aus Afrika exportiert wird - und gleichzeitig Waffen importiert werden und die Menschen im Zuge des Fischexports trotzdem oder besser gesagt noch viel mehr leiden? Das hat der Film “Darwin’s Nightmare” von Hubert Sauper ja eindrucksvoll gezeigt.

  2. 21. Juli 2011 um 02:16 Uhr

    carlo sagt,

    Herr Krause,
    da kann ich Ihnen nur zustimmen, weil ich den ausgezeichneten Dokumentarfilm auch gesehen habe.
    Vielleicht kann der um “Nachhaltigkeit” bemühte “Künstler”
    Det Mueller, nachdem er sich die Dokumentation mal selbst angesehen hat, unsere Zweifel zerstreuen.
    Mal seh’n was er so in PR drauf hat ;-)

  3. 21. Juli 2011 um 11:11 Uhr

    Det Mueller sagt,

    Danke für den gelungenen und notwendigen, virtuellen “Arschtritt”. Ich habe heute meinem alten Beitrag einen wesentlich längeren Nachtrag hinzugefügt und bitte um Beachtung.

    Det Mueller / 21. Juli 2011

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