Lohas: Chance zur neuen Verabredung der Geschlechter?
Samstag, 27. Jun 2009 12:35 von Det Mueller

MvM_Beach | © 2009 Mario van Middendorf auf Flickr
Paul Ray, amerikanischer Soziologe und “Erfinder” des LOHAS Gedankens, den er seinerzeit (2000) noch mit dem Label der „Kulturell Kreativen“ belegt hat (der Marketingbegriff Lohas entstand später), hat vor allem die Frauen zu den Protagonisten dieser gesellschaftlichen Veränderungsbewegung erklärt und sieht in der Mehrzahl Frauen an der Spitze der LOHAS-Bewegung…
Eigenschaften wie vorausschauendes Denken, ganzheitliche Herangehensweise an Dinge, hohe Aufmerksamkeit für Gesundheit und das „Große und Ganze des täglichen Lebens“ machen sie zu LOHAS par excellence.
“Diese Frauen, das haben wir beobachtet, haben das Kriegsbeil des Geschlechterkampfs längst begraben. Was sie suchen, ist eine neue Verabredung der Geschlechter. Es geht ihnen weniger darum, endlich erhört zu werden, das haben die meisten von ihnen nicht mehr nötig, LOHAS-Frauen brauchen keinen Artenschutz. Sie suchen nach Identität mit sich selbst und den gesteckten Zielen, sie streben nach Erfolg, der sich gern auch monetär zeigen darf, aber nicht die oberste Priorität genießt”, schreiben Anja Kirig und Dr. Eike Wenzel (ZukunftInstitut) in ihrem LOHAS Standardwerk “Bewusst grün - alles über die neuen Lebenswelten Lohas”.
Meine Meinung: Paul Ray ist Soziologe und untersucht die sozio-kulturellen Verflechtungen der Gesellschaft. Er hat sicher Recht damit, wenn er sagt, dass Frauen oftmals eine stärkere Affinität zur ganzheitlichen Herangehensweise an viele Dinge und Problemstellungen haben. Vor allem an jene Dinge, die auch mit Gesundheit (das “H” in Lohas), Achtsamkeit und Selbstliebe zu tun haben - von Ernährung bis Wellness, über Erziehung und Wissen, bis hin zur Heilung oder Spiritualität.
Mich freut besonders zu hören, dass sich eine Generation Frauen herausbildet, für die der Geschlechterkampf im tradierten Sinn keine Rolle mehr spielt. Weil sie alles selbst können oder gar nicht mehr brauchen, womit wir Männer sie ewig gelockt haben. Ein Segen für beide Seiten und eine Chance für uns Männer, ebenfalls zu lernen und uns umzustellen. “Reviermarkierung durch Pissmarken” - mein Auto, mein Boot, mein Haus, gehören damit vielleicht auch irgendwann vollständig der Vergangenheit an. Deshalb müssen wir nicht zu “Weicheiern” mutieren, sondern unsere Urstärken neu beleben: Werte, Aufrichtigkeit und Authentizität. Was sich herausbilden kann, ist die Hinwendung zu gegenseitiger Wertschätzung und Achtsamkeit auf Augenhöhe. Die beste Voraussetzung für wahre Liebe.
Diesmal bin ich sehr gespannt auf Kommentare!
Bleiben Sie wertschätzend liebevoll: Ihr Det Mueller
Hallo Det,
sehr schöner Beitrag, spricht mir aus der Seele! Ich denke, dass bei vielen Männer genau diese Identitätsentwicklung auf der Strecke geblieben ist, während die Frauen sich emanzipierten und zu verwirklichen begannen. Viele Männer merken jetzt, dass genau diese Emanzipation und Selbstverwirklichung bei ihnen ansteht. Juchhuuu!
Herzliche Grüße,
Simone
Da kann ich mich meiner Vorkommentatorin nur anschließen lieber Detlef. Mit was wollen Männer uns Frauen noch locken? Wir versorgen uns selbst, wir stehen unsere Frau im Beruf, wir ziehen unsere Kinder alleine groß, wir machen sogar selbst Karriere. Das einzige, was mich noch anzieht ist absolute Authentizität. Wenn ein Mann zu sich steht, sich so akzeptiert, wie er ist, und nicht versucht seine Schwächen zu übertünchen, dann hat er für mich ganz viel Attraktivität.
In diesem Sinne….
Fröhliche Sonnengrüße
Dori
Hi Det,
schwierig wird es doch tatsächlich erst dort, wo Lohas-Frauen auf Nicht-Lohas Männer stossen. Und das ist ja vor allem dann der Fall, wenn man sich sein Gegenüber nicht unbedingt selber aussuchen kann. Nehmen wir mal das Berufsleben. Mit ca. 9 Std. täglich ja ein ganz wesentlicher Teil des eigenen Lebens. 9 Stunden täglich verbringt man im Zweifelsfall mit genau diesen Nicht-Lohas-Männern, an denen die Entwicklung völlig vorbei gegangen ist oder noch nicht eingesetzt hat. Die die weiblichen Potenzial nicht nutzen, sondern großteils ausnutzen…Wie viele weibliche Führungskräfte haben wir in Deutschland? Und wie groß ist er Unterschied in den Gehältern zu den männlichen Kollegen?? Da scheint Deutschland nach wie vor tatsächlich den Entwicklungslandstandard zu haben. Und da ist es doch nur natürlich, dass man irgendwann so eine gleichgültige Haltung als Frau einnimmt, nach dem Motto: hab ich nicht nötig, lass sie doch reden…und sich nicht in jedem 2. Satz profilieren muss als selbständige emanzipierte (LOHAS-) Frau. Wir selber wissen um diese Potenziale, aber es wäre schön, wenn auch noch viel mehr Nicht-Lohas-Männer diese Potenziale nutzen und gewinnbringend für sich einsetzen würden. Das würde das Leben an vielen Stellen einfacher machen. Und das nicht nur im beruflichen Bereich.
Liebe Grüße nach Köln
M.
@ all
Ich danke allen drei Damen für ihre guten und interessanten Beiträge.
Dame “M” ist mir persönlich bekannt, hat unter dem Pseudonym geschrieben, weil sie mögliche Restriktionen ihrer männlichen Kollegen befürchtet! Man stelle sich das mal vor!
Dies und die Tatsache, dass bisher kein einziger Mann Äußerungen abgegeben hat, finde ich mehr als beschämend für unser Geschlecht!
Offenbar gibt es noch viel zu tun!
Hi Det
wir diskutieren gerade auf Utopia die Zukunft des ethischen Konsums. Eine der Herausforderungen ist ganz sicher, wie mehr Menschen zu einem nachhaltigen Konsum motiviert werden können. Das mehr Frauen als Männer Lohas sind hat doch eine ganze Reihe von wirklich tiefen Gründen (Selbstverwöhnung/Genuss, tragen traditionell Verantwortung für die Ernährung der Familie, Einkaufskompetenz etc.). Das rational-preisfixierte ist eine sehr männliche Herangehensweise.
Interessanter als das Männer-Bashing und Klagen finde ich die Frage, wie man mehr Männer für solche Themen interessieren und begeistern kann. Über eine aktive Beteiligung zu solchen und anderen Themen im Rahmen unserer Utopia Diskussion würde ich mich sehr freuen.
http://www.utopia.de/gruppen/gruppe/437
herzliche Grüße
J
[…] Bezug nimmt: Im “Lohas-Blog” schreibt Det Müller über die “Chance zur neuen Verabredung der Geschlechter” und beweist damit, dass zumindest ein Teil dieser Gesellschaft längst auf einer höheren […]