Leser Feedback: Ein Diskussions-Anstoß.
Freitag, 3. Jul 2009 13:07 von Det Mueller
Heute schreibt mir Sally, leider anonym, einen schönen Kommentar ins Gästebuch, der aber neben wohltuendem Lob einen sehr interessanten Aspekt enthält. Deshalb will ich dies gern zum Anlaß nehmen, daraus einen Thread - einen Diskussionsfaden zu entfachen…
“hallo, ein großes lob an diese seite - ich bin auch lohas fan, aber kann mich mit dem wort nicht ganz identifizieren. ich finde diese anglizismen nicht gerade gut und muss das wort immer und immer wieder erklären….wenn ich gefragt werde. ich sehe mich eher als nachhaltigen trendsetter…. wie seht ihr das denn? ich würde mich ja freuen, wenn es mal ein deutsches schönes wort dafür geben würde. mfg, sally”.
Was die Anglizismen angeht, kann ich Sally nur unterstützen. Ich bin auch kein großer Fan davon, aber es gibt Begriffe, wie etwa Fan oder Trendsetter, die haben sich so sehr in unsere Gesellschaft eingeschlichen, dass wir es kaum noch bemerken. LOHAS - ich habe es oft gesagt, kann man nicht sein, man kann es nur leben. Es ist ein Lebensstil. Mit sehr vielen Facetten: Nachhaltigkeit, Strategischer Konsum, Wertschätzung, Spiritualität, Entschleunigung, Authentizität etc. etc.
Die Zielgruppe für all diese und weitere Mosaiksteinchen, hatte der Schöpfer des LOHAS Gedankens, der Soziologe Paul Ray als “Kulturell Kreative” bezeichnet. Dieser Begriff gilt natürlich immer noch und ich finde ihn sehr passend, wenn man das Wort LOHAS umgehen möchte. “Ich lebe in meiner Kultur kreativ - auf meine Art wertschätzend, in meiner Zeit authentisch und wie ich es kann“, so würde ich das für mich selbst erklären wollen. Kreativ bedeutet hier übrigens nicht, dass Sie ein Kunstschaffender sein müßten - überhaupt nicht! Ihr Leben ist allerdings kostbar und deswegen sind Sie der Gestalter Ihrer Zukunft. Wie Sie das machen, auf Ihre ureigene Art, das ist der kreative, wertschätzende Prozess. Und - innerhalb unserer Kultur auch zu erkennen, durch Bildung, Medien und Beobachtungen, dass wir alle etwas ändern müssen, achtsam sein sollten - macht Sie dann zum “Kulturell Kreativen”.
Also bitte - Sally wünscht sich passende Definitionen. Beschreiben Sie uns allen Ihren Umgang mit LOHAS. Wie erklären Sie Ihren Freunden was das für Sie bedeutet? Haben Sie andere Worte?
Bleiben Sie wertschätzend: Herzlichst Det Mueller
[…] gerade darüber diskutiert, ob wir LOHAS uns mit diesem Begriff überhaupt indentifizieren wollen. Der Autor Det Mueller erwähnt dort, dass der Soziologe Paul Ray als Schöpfer der LOHAS-Gedankens den Begriff der “Kulturell […]
Hi Det, ja, da hat Sally wohl irgendwie recht. Schon bei dem Wort sustainability schalten die meisten ab, weil sie´s nicht übersetzen können. Auf der anderen Seite sind es natürlich nicht nur die kulturell Kreativen, die Lohas leben, sondern auch so gaaanz normale Menschen, oder? Ich meine damit diejenigen, die nicht vor Kreativität sprühen oder nicht im kulturellen Bereich arbeiten. LOHAS ist ja nun mal für jeden da…
Eine eingedeutschte Bezeichnung, ja, hätte für uns Vorteile beim Verständnis, lässt uns aber im Zuge der Allgemeinen Globalisierung weniger Gestaltungs- und Verbreitungsspielraum. Aber eine Bezeichnung wie “Nachhaltige Lebensweise” oder “werteorientierte Konsumenten”, das klingt halt auch nicht so richtig sexy, oder? Also ist LOHAS einfach etwas, an das bzw. an den man sich gewöhnen muss. Vor ein paar Jahren wusste auch niemand, was bluetooth, blogs und Co waren. Wir werden das schon schaffen…
Grüße aus dem sonnigen Bonn
Simone
Die Pedia liefert mir im Fließtext noch die Moralisten, in dne Fußnoten die Konsumguerilla und Neo-Ökos. Aber wie nannte man denn die, die das in den 90ern gemacht haben, etwa durch gezielte Boykotte (Brent Spar) - es ist ja nicht so, dass die Idee von der Macht des Konsumenten irgendwie neu wäre.