Prof. Dr. Gerald Hüther: Die Macht der Begeisterung

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Der Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther war am Dienstag den 17. Mai hier bei uns in Köln, um sein neues Buch „Was wir sind und was wir sein könnten“ vorzustellen. Ein spannender Abend mit über 120 Gästen völlig ausverkauft. Gemeinsam mit meiner Frau, der Wirtschaftspsychologin Barbara Kramer habe ich in diesen 2 Stunden in der Zentralbibliothek der Stadt Köln viel Neues erfahren dürfen…

Inhalt: Ob im Umgang mit Kindern, mit Kollegen und Mitarbeitern, mit alten Menschen und mit uns selbst: Wir sind es gewohnt, alles als Ressource anzusehen. Kein Wunder, dass ‚Burn-Out‘ die Krankheit unserer Zeit ist, dass wir uns vor Krisen nicht retten können…

Denn auch eine Gesellschaft kann kollektiv ihre Begeisterungsfähigkeit verlieren, dann dümpelt man in Routine dahin, man funktioniert, aber man lebt nicht mehr. Gerald Hüther plädiert für ein radikales Umdenken: Er fordert den Wechsel von einer Gesellschaft der Ressourcennutzung zu einer Gesellschaft der Potentialentfaltung, mit mehr Raum und Zeit für das Wesentliche. In seiner großartigen, ganz konkreten Darstellung zeigt er aus neurobiologischer Sicht, wie es uns gelingen kann, aus dem, was wir sind, zu dem zu werden, was wir sein können.

Hüther wurde bekannt durch seine neue Sicht auf die häufigste psychiatrische Erkrankung von Kindern ADS. Seine These: Kindern mit ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom) fehlt die Erfahrung des Gefühls der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen. Deshalb fällt es ihnen schwer, sich in Gemeinschaften zurechtzufinden und deshalb werden sie ausgegrenzt und zurückgewiesen. Etwa 300.000 Kinder nehmen deshalb allein in Deutschland Medikamente, die tief in den Gehirnstoffwechsel eingreifen. Von 1993 bis 2008 schnellte der Verbrauch des Wirkstoffs Methylphenidat, der im ADS-Mittel Ritalin enthalten ist, von 34 auf 1617 Kilo hoch. Hüther ist sehr gegen diese Medikamente: Er betrachtet die hirnbiologischen Störungen als Folge von Umweltbedingungen, also von krankmachenden Verhältnissen in Familie, Kindergarten, Schule und der Gesellschaft generell. Das moderne Leben mit zu viel Medienkonsum, zu wenig Bewegung und Naturerlebnissen sowie zunehmend gestörten Familienverhältnissen verursachen demnach ADS. Hirnbiologisch nachweisbare Fehlfunktionen seien dann die Folge, nicht jedoch die primär zu behandelnde Ursache…

Bleiben Sie wertschätzend | Det Mueller |

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