Ford versucht Aufstieg mit ‚Eco-Booster‘

ecoboost.jpg

Ford und Opel, die beiden US-Autohersteller mit Werken in Deutschland, hatten in meiner Jugend mal wirklich tolle Fahrzeuge auf der Straße. Beide Marken dümpeln aber seit rund 10 Jahren bei etwa 8-12 Prozent Marktanteil in Deutschland. Das ist genau wie die Modelle, nicht schlecht, aber eben auch nur Mittelklasse. Ford kommt jetzt mit einem neuen Motor, von dem die US-Manager glauben den großen Wurf gelandet zu haben. Ich sehe das etwas anders…

In diesen Tagen, glaubt Ford Köln einen besonderen Grund zum Feiern zu haben, der die Zahlen zukünftig nach oben ändern würde: Man präsentierte vor unserer geschätzten Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und zahlreichen US-Ford-Top-Managern den Produktionsbeginn einer neuen Ford-Motor-Generation, den Eco-Booster mit nur einem Liter Hubraum. 134 Millionen Euro hat die Firma in ihn investiert, damit er Anfang 2012 vom Band laufen kann.

Als Herausgeber des Lohas-Blog war ich sogar zu den ‚Feierlichkeiten‘ eingeladen, hab aber brav abgesagt, weil ich mich für Autos wenig interessiere. Diese 1-Liter-Geschichte fand ich aber zunächst spannend, stellte dann aber enttäuscht fest, dass lediglich der Hubraum damit gemeint war und nicht der Verbrauch. Diese Motoren werden dann doch immer noch 5 Liter auf 100 km verbrauchen, was ich persönlich gar nicht feiernswert finde. Zumal es sich um eine ‚Werksangabe‚ handelt, von der wir alle wissen, dass sie auf der Straße und im echten Leben kaum stattfindet – wahrscheinlich sind 6-8 Liter realistischer.

Seit Jahren redet die Welt von 3-Liter-Fahrzeugen und Ford feiert nun einen offensichtlich überholten Stand der Technik – zumindest aus Sicht des Umweltschutzes und der Schonung des Geldbeutels. Sicher, im Begleittext der geschulten PR-Abteilung fanden sich zahlreiche Datenhighlights, wieviel Wasser und Energie zukünftig in der Produktion bei Ford gespart würde. Gigantische Mengen! Bedauerlich, dass das jetzt erst möglich ist, dachte ich! Aber ebenso auch der Hinweis, dass viele neue Maschinen den Bau fortan übernehmen – 55 vollautomatische Bearbeitungsanlagen und 14 halbautomatische Roboter, hat mich erschreckt. Ein versteckter Hinweis auf Personalabbau und Stellenreduzierung?

Insofern fälle ich ein hartes Urteil: Die Ingenieurleistung, aus nur einem Liter Hubraum 125 PS zu generieren mag ja toll sein. Davon versteh ich nichts. Für Menschen und Umwelt aber bringen die neuen Motoren keine erkennbaren Vorteile und davon versteh ich etwas!

Einen Motor der große Emissionswerte einspart, jetzt erst zu bringen ist eher eine Peinlichkeit als eine Glanzleistung!

Einige Kölner Fordwerker werden vielleicht ihren Job verlieren (zumal auch ein Werk im Billigland Rumänien die Mitarbeit aufnimmt) und Verbraucher weiterhin beim Tanken reichlich Geld ausgeben müssen. Schließlich steigen die Benzinpreise unaufhaltsam weiter und 5 Liter kosten heute soviel wie zehn vor wenigen Jahren…

Bleiben Sie wertschätzend realistisch | Det Mueller |

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.