Vom Scheitern zur Insolvenz und der Frage nach dem Mut des Weitermachens

Scheitern ist eine Phase in jedem Projekt wie auch in jedem Unternehmen. Sie kennen es sicher in Form von eher kleineren Erfahrungen des Scheiterns einzelner Ideen im Konzept oder bei dessen Umsetzung. Mancher kennt es aber auch in Form von vorläufigem Scheitern ganzer Vorhaben – bis zur Insolvenz seiner Unternehmung. Scheitern ist selbstverständlich immer auch eine Chance zu neuen, verbesserten Anläufen. Allerdings verlässt häufig viele Menschen nach dem misslungenen Erstversuch der Mut, die Kreativität, der Glaube an eigenes Können und meist auch das gesunde Selbstwertgefühl. Das Resultat ist oftmals dramatisch bitter:

In Deutschland gelingt es immer weniger armen Menschen, ihrer sozialen Notlage wieder zu entkommen. Zugleich ist das Risiko gestiegen, in Armut abzurutschen. 15,5% der Bevölkerung gelten als „armutsgefährdet“. 65% verharren dauerhaft im untersten Einkommensbereich [Quelle „Datenreport 2011 – Sozialbericht für Deutschland“], eine mehr als tragische Entwicklung mit dauerhaften Folgen für das ganze ‚System Deutschland‘. Es bedeutet ja nichts anderes, als das nur 35% der Gesamtheit aller Deutschen dauerhaft oder vorübergehend wirtschaftlich gesichert lebt.

Für die vielen vielen Menschen, die an sich selbst zweifeln, die Schuld bei sich suchen und sich erschwerend eigenmächtig zum ‚Looser‘ stempeln, sei angemerkt, dass dies vor allem eine deutsche Untugend ist. Im Ausland wird jemand, der bereits insolvent war, durchaus als neuer Unternehmer respektiert – denn er weiß um die Risiken und wird sich als Chef anders verhalten. Typisch deutsch ist eher die Frage nach der Schuld, als das Ansinnen zu unterstützen, tatsächlich wieder etwas Neues zu versuchen. Obwohl das geht! Die berühmteste Insolvenzlerin in Deutschland ist die Britin Anne Koark: „Die Insolvenz war so etwas wie der bürgerliche Tod“, schreibt sie in ihrem autobiografischen Werk „Zurück auf Start“ zur eigenen Insolvenz. Sie trifft damit den Kern des Problems. Wir Deutschsprechenden verfügen über keinerlei Kultur des Scheiterns. Alles muss erfolgreich sein und bleiben. Wehe, man scheitert…

Insolvenzler werden dazu verdonnert, sich einer 6-jährigen Wohlverhaltensperiode zu unterwerfen, nach derem erfolgreichen Überstehen, meist noch 3 weitere Jahre ‚Schufa-Belastung‘ folgen. Neun lange Jahre wird ein unternehmerischer Mensch also ‚kaltgestellt‘ und aus dem wirtschaftlichen Wachstum der deutschen Gesellschaft entfernt, bevor er erneut loslegen darf. Welch ein Verlust an Kreativität und Unternehmergeist! Dabei ist es völlig egal, ob er 20.000 Euro Schulden verursacht hat oder 2 Millionen. Es ist auch egal, ob er nicht nachweislich böswillig sein Unternehmen ruiniert hat oder, ob ihm aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Lage das Wasser so bis zum Hals stand, dass ihm nichts anderes übrig blieb.

Ich kenne den Fall eines Unternehmers, den überhaupt keine Schuld am Untergang seiner Firma traf, sondern durch eine völlig unfähige Steuerberaterin in diese Situation gedrängt wurde. Sie hatte sich in den Bilanzen vertan, mehr Umsätze verbucht als überhaupt getätigt wurden und damit eine Steuerforderung heraufbeschworen, die absolut unrecht war und nicht bezahlt werden konnte. Gerichtsstreitigkeiten mit dem Finanzamt dauern aber Jahre – der alleinerziehende Vater und Ex-Unternehmer ist jedenfalls jetzt pleite und lebt von Hartz IV. Der ganze Vorgang dauerte keine 6 Monate – vom hoffnungsvollen Unternehmer zum Antragsteller des Insolvenzverfahrens.

Wer so oder so ähnlich selbst betroffen ist, für den gibt es offiziell zahlreiche Anlaufstellen. Viele sind zweifelhaft und helfen nicht wirklich weiter. Was aber tatsächlich helfen kann, ist das Gespräch mit Betroffenen. Und einer, der es wissen muss, weil er die ganze Range vom erfolgreichen Unternehmer bis zum schamerfüllten Insolvenzler selbst durchgemacht hat, ist der mittlerweile fast schon berühmte Attila von Unruh. Der Kölner Ex-Eventmanager hat aus der unglücklichen Situation die Kraft gezogen, anderen Menschen zu helfen, in dem er von seinen Erfahrungen berichtet, Hoffnung weckt und Chancen aufzeigt. Er gründete den Verein BV INSO, den Bundesverband Menschen in Insolvenz und neue Chancen e.V.

Das ursprünglich kleine Ursprungsprojekt nimmt nunmehr gewaltige Formen an: Anlaufstellen gibt es mittlerweile in 12 deutschen Städten und in Wien. Wohlgemerkt, Attila von Unruh ist kein Insolvenzberater, gibt weder rechtliche noch steuerliche Empfehlungen. Freiwilligkeit ist oberstes Prinzip – jeder kann beim Treffen der Anonymen Insolvenzler (AI) etwas sagen, muss aber nicht. Wer möchte, kann etwas über sich und seine Situation mitteilen, andere dazu fragen und sich mit den Teilnehmern austauschen. Die Kraft der Gruppe inspiriert und hilft, mit Rückschlägen fertig zu werden. Die Teilnehmer lernen aus der Krise und können wieder ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln. Eine der wichtigsten Überlebensnotwendigkeiten überhaupt. Versuchen Sie es!

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Bleiben Sie wertschätzend voller Hoffnung und Kraft |Det Mueller|

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