Weltwassertag und Du!

Heute ist Weltwassertag. Jeder von uns hat heute früh geduscht, war bereits auf der Toilette, hat auch die Zähne geputzt, die Männer haben sich rasiert und wir alle hatten eine herrliche Tasse Kaffee bevor wir dann zur Arbeit fuhren. Die für die meisten Menschen etwa jetzt, gegen 7.30 Uhr beginnt. Hoffentlich viele haben ebenso bereits 1-2 Gläser Wasser getrunken, um dem Körper die notwendige Feuchtigkeit zu geben, die wir nachts verloren haben. Klartext: jeder von uns hat bereits um diese Zeit mindestens 15 Liter Wasser verbraucht, über die wir nicht nachdenken. Und heute Abend werden es sogar 127 Liter* sein, die jeder von uns täglich verbraucht (*Quelle: Stiftung Warentest)…
Mancher mag denken, fein – aber was bedeutet das? Was geht mich das an? Tatsache ist, dass das, was wir für uns in Europa als Selbstverständlichkeit betrachten – nämlich einfach den Hahn aufzumachen und frisches Wasser in scheinbarer Unendlichkeit zur Verfügung zu haben für mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt nicht gilt! Unvorstellbar in einer Hochtechnologie-Welt, aber wahr.
Am heutigen Tag werden wieder viele Reden geschwungen, unzählige Kongresse, Foren und Symposien abgehalten, Versprechungen gemacht und Hoffnungen geweckt. Texte, die meist auswechselbar sind und uns womöglich eher vom Handeln abhalten.
Dabei hat der Gedanke zur Nachhaltigkeit gerade in Deutschland große Früchte getragen: wir Deutsche gehen mittlerweile so sparsam mit Wasser um, dass viele Wasserwerke Probleme bekommen haben – mit Keimen und anderem Zeugs, das nicht mehr aus den Leitungen gespült werden kann. So leiten Wasserwerke zum Durchspülen Millionen Liter frischen Wassers in die Rohre, damit wir alle nicht krank werden, weil wir zu viel gespart haben. Unvorstellbar in einer Hochtechnologie-Welt, aber wahr.
Ich kann Ihnen auch nicht raten, was Sie tun sollen. Vergeuden wir Wasser, ist es falsch. Sparen wir Wasser ist es auch falsch. Und egal was wir tun, den Afrikanern z.B. hilft es überhaupt nicht. Dafür müssen Organisationen wie ‘Survival‘ (eine Menschenrechtsorganisation für indigene Völker) mit großem Engagement einspringen und zumindest teilweise das Leid mildern. Das Foto oben zeigt Buschleute aus Botswana, denen die Regierung die Brunnen geschlossen hatte, um sie vom Land zu vertreiben und dort den Diamantabbau auszuweiten. Durch die kontinuierliche Anstrengung von Survival International verfügen die Buschleute heute endlich wieder über freien Zugang zu einer Wasserquelle.
Und könnten gemeinsam mit dem Rest der Welt den internationalen Tag des Wassers feiern. Obwohl mir nicht nach Feiern zu Mute ist, wenn ich daran denke, das z.B. für den Finishing-Prozess einer herkömmlichen Jeans durchschnittlich 42 Liter Wasser benötigt werden.
Eine große Jeansmarke wirbt zur Zeit damit, dass sie durch Änderung der Produktionsbedingungen 172 Millionen Liter jährlich eingespart hat. Sicher eine ordentliche Menge, die 157.000 Menschen ein Jahr lang Wasser liefern würde, frage ich mich dennoch, wieso kommen die erst jetzt darauf? Grund zum Feiern gäbe es dann, wenn dieser Jeanshersteller mit den Jeans auch das eingesparte Wasser ausliefern würde, damit die schönen Zahlen nicht nur auf dem Papier stünden, sondern tatsächlich 157.000 Menschen ein sorgenfreies Jahr bescheren könnten. Das wär mal was.
Genießen Sie Ihr Leben in Europa, niemand macht Ihnen einen Vorwurf – aber bitte, seien Sie dankbar!
Bleiben Sie wertschätzend |Det Mueller|



