Lohas Dämmerung: Marketing und Nachhaltigkeit, Umweltschutz oder Jobverlust? Was Nieten in Nadelstreifen auch 2012 immer noch bewirken

Eine kleine feine, aber bekannte Unternehmensberatung aus Berlin, spezialisiert auf das Zusammenführen von Unternehmen und Nachhaltigkeit, sprach vor 2 Monaten auf dem Blog ihrer Website mit deutlich aggressivem Unterton aus, was manch anderen schon gelegentlich quälte:

„Der Unterhaltungswert dessen, was da an Nachhaltigkeitspreisen und Gutmenschen-Awards ausgelobt wird, um PR-Anlässe zu schaffen, ist noch geringer als der des Dschungelcamps. In immer neuen Websites und Weblogs wird der grüne Lifestyle beschworen und unterhält man sich über die welt-rettende Bedeutung des Wassersparens beim Zähneputzen. Der Nachhaltigkeitsklerus ist fest etabliert in unserem Land und er pflegt seine Communities sehr effektiv.“

Was wie bittersüßer Zynismus klingt, soll wohl auf die Tatsache verweisen, dass in der Tat viel schöngeredet wird, aber immer noch viel zu wenig getan. Oder, was ich viel schlimmer finde, kleine ‚grüne Erfolge‘ werden an die große PR-Glocke gehängt, um viel größere Sünden zu vertuschen. Gestern bekam ich, wie fast täglich eine Pressemeldung. Die Firma will ich gar nicht nennen, sie ist austauschbar, aber die Meldung beschreibt genau dieses Phänomen…

Ein sehr großes Unternehmen mit fast 40 Tochterfirmen, hat seine konventionelle Außenbeleuchtung an der Konzernzentrale in Hamburg gegen energiesparende LED Technik ausgetauscht. Okay, es geht nicht um ein paar Lämpchen, sondern immerhin um eine Strom-Verbrauchseinsparung die der von insgesamt 77 Vier-Personenhaushalten mit 4.200 kWh Verbrauch jährlich entsprechen. Dennoch: Noch vor ein paar Jahren hätte ich mich über so eine Meldung für meinen Lohas-Blog gefreut, heute finde ich sie einfach nur lächerlich.

Weil der Verdacht naheliegt, dass dies nicht zum Wohle der Umwelt sondern zum Wohl des eigenen Images geschehen ist. Grünfärberei quasi, um von anderen großen Schwachstellen abzulenken. Denn zum Konzern gehört auch eine Tochter, die jährlich um die 280 (!) Kataloge herstellt und versendet. Ich dachte erst, ich hab mich verlesen. Viele der anderen Konzerntöchter versenden ebenfalls Kataloge, zwischen 2 und 40 Stück im Jahr. Zwanzig finde ich schon viel, aber 280 Stück pralle, kurzlebige Katalogwelt? Und dann noch zum Thema Billigmode – ein Segment, das hierzulande ohnehin mit zweifelhaftem Image belastet ist. Wieviel Wald muss abgeholzt werden, damit diese Papiermengen hergestellt werden können. Wieviel unterbezahlte Menschen müssen noch leiden, damit andere arme Menschen Billigklamotten in Mengen kaufen können, damit Konzernmanager am Wochenende auf Mallorca Golf spielen können? Was macht da schon der Wechsel von 442 Leuchtmitteln? Der Wechsel von 442 Nadelstreifnieten wäre sicher effektiver gewesen!

Auch ein Versandhaus, das wir alle gut kennen ist Neckermann. Die gehören nicht zu dem oben diskutierten Konzern, haben aber ähnliche Sorgen. Man hat jetzt dort beschlossen, Kataloge komplett abzuschaffen und sich nur noch dem wachsenden Online-Geschäft zu widmen. Für die Bäume sicher gut, für die Mitarbeiter leider nicht. Knapp die Hälfte, 1400 von 2500 Jobs, fallen dem zum Opfer. Und addieren sich zu den 12.000 Schlecker-Frauen. Fortschritt durch Wachstum???

Echtes, ’nachhaltiges Marketing‘ 2012 sähe anders aus. Erinnern Sie sich noch an das Buch ‚Nieten in Nadelstreifen‚ von 1992? Vermutlich hat sich nicht sehr viel geändert in deutschen Führungsetagen seit dieser Führungsschelte von Günter Ogger. Gerne übersieht man dort, dass auch Manager im wörtlichen Sinn Arbeiter sind und nur wenige von ihnen, den Business-Audi und die Vorort-Villa tatsächlich verdient haben. Denn gute Arbeit im Management und in der Produktion, würde die Menschen in den Vordergrund stellen und beides retten – die Bäume und die Arbeitsplätze.

Unzählige Beispiele von cleveren Unternehmern, die ich hier in den letzten 5 Jahren auf dem Lohas-Blog vorgestellt habe, belegen, dass das möglich ist und im Jahr 2012 keine Sozialutopie mehr sein muss. Wachstum – jetzt zur Wahl bei uns in NRW wieder ein beliebtes Politikerwort, zeigt nur die Hilflosigkeit und den Mangel an guten Ideen. Sozialer Friede – diesen Begriff habe ich noch aus keinem Politikermund gehört. Wenn der Stellenabbau in diesem rasanten Schlecker-Tempo weitergeht, wird aber ‚Sozialer Friede‘ ein Thema sein, welches täglich in den Zeitungen zu lesen sein wird…

Heute fällt mir meine motivierende Grußformel schwer, aber dennoch:

Bleiben Sie wertschätzend | Det Mueller |

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