Streitfrage: Was bedeutet Dir Dein Leben?

2_silver_balls_xs.jpg

Gerade läuft ein neuer Film an -, er heißt »2013« und jeder Mensch auf diesem Planeten spielt mit. Eine Hauptrolle, eine Nebenrolle oder als Statist – egal, wir sind ja eigentlich alle gleich. Eigentlich. Aber mit dem Gleichsein ist es so eine Sache. Besonders vor den Augen der Kirche und zuweilen sogar vor dem Gesetz. Schon als Kinder lernten wir selbst – aus Gottfried Kellers Büchlein »Kleider machen Leute«-, dass es offenbar günstiger für das Leben sei, sich von anderen zu unterscheiden und nicht mit der Masse zu schwimmen. Extravagante Kleidung, ein individualisiertes Fahrzeug, eine ungewöhliche Karriere – nichts bleibt ein Leben lang unversucht, um blos nicht zu sein, wie die anderen. Schwarmverhalten bringt einigen Arten große Vorteile, dem Menschen offenbar eher nicht. Tritt er in Schwärmen auf, gibt es meist Ärger oder wird vielen zum Verhängnis – etwa im Krieg oder beim Glaube. Wobei der eine oftmals Auslöser für den anderen war…

2,2 Milliarden Menschen werden amtlich als Christen geführt, gefolgt vom Islam mit 1,6 Milliarden Anhängern, und rund 800 Millionen Hinduisten. Platz vier belegen die Buddhisten mit etwa 375 Millionen Anhängern dieser Weltanschauungsgemeinschaft. Etwa 15 Millionen Juden bilden die kleinste Religionsgemeinschaft unseres Planeten. Wenn man etwas aufrundet lässt sich salopp sagen – von den 7 Milliarden Mitspielern im Film »2013« folgen 5 Milliarden einer großen Glaubensgemeinschaft und 2 Milliarden eher ihrer eigenen oder gar keiner Religion. Die Buddhisten sind mir übrigens die Liebsten, – die beißen nämlich nicht, die spielen nur. Diese flappsige Bemerkung sei gestattet, denn die Bodhis (Die Erwachten) sind absolut friedlich, zuweilen extrem weise.

Immerhin leben in unserem Land ca. 37% der Menschen ohne Konfession – mindestens also jeder dritte. Tendenz steigend. Und ich finde das gut. Denn erstens, bedeutet konfessionslos nicht zwangsläufig auch »ungläubig« zu sein sondern lediglich kein Mitglied in irgendeiner Firma namens Kirche zu sein. Glauben, an wen auch immer, kann man ja trotzdem. Das befreit nicht nur von den völlig absurden Kirchensteuern, sondern vor allem befähigt es wieder zu selbstbestimmten Denken und Handeln. Wenn es keinen Gott oder Papst gibt, der Dir sagt was richtig ist, musst Du selbst nachdenken und Deine Taten eigenverantwortlich durchführen. Einige Ärzte in Köln würden jetzt sicherlich nicken. Wenn sie dürften. Aber sie dürfen nicht. Selbst wenn eine Frau, vergewaltigt wurde, darf sie von der Kirche keine Hilfe erwarten. Die Kirchenfürsten erwarten, dass sie das Kind eines Verbrechers großzieht. Mittelalter!

Aber genau mit der Eigenverantwortlichkeit fühlen sich wohl viele Menschen überfordert, folgen deswegen lieber alten Männern in Frauenkleidern, die über Jahrhunderte viel Leid über uns gebracht haben -, bis heute. Im Namen Gottes und anderer Ikonen wurden und werden Kriege geführt, Verbrechen rechtfertigt und Minderheiten verfolgt. Es wurde verschleppt, verbrannt, geköpft oder gevierteilt auf Teufel komm raus. Bombenanschläge, Attentate, Vergewaltigungen und Misshandlungen gibt es bis in unsere Tage. Fast monatlich wurde wieder irgendein Hohepriester als schuldig ertappt, aber haben Sie jemals gehört, dass irgendeiner dieser Orgelpfeifen in einem staatlichen Gefängnis einsitzt und für seine Missetaten nach geltendem Recht Buße tut? Sie verschwinden meist im Nirwana einer anderen Diözese, im Ruhestand oder tief in der Provinz. Firma Kirche regelt das Unschöne auf ihre eigene Art und die anderen konservativen Hardcore-Führer drohen bei Kritik gar mit Tod und Rache. Der Iran etwa, baut mit Sicherheit an einer Atombombe. Zuweilen geht´s hier eben immer noch zu, wie im Mittelalter. Wohlgemerkt, ich verkürze gewaltig – die Hunderttausende von guten Menschen, die ehrenamtlich und weltweit im Namen der Kirche spürbar Gutes tun, sind selbstredend von meiner kritisch-satirischen Betrachtung ausgenommen. Und die 1,3 Millionen (!) Arbeitnehmer – die Kirche ist Deutschlands größter Arbeitgeber – die werden sicher ihren Mund halten. Arbeitsplätze sind kostbar in diesen Tagen. Denn schon wer sich scheiden lässt oder schwul ist, wird gefeuert. Ich rede also von des Fisches Kopf und der stank und stinkt schon immer gewaltig – denn es geht um Macht und Geld. Und nicht um Barmherzigkeit – die ist nur Mittel zum Zweck -, ein Marketinginstrument, nichts weiter.

Ich frage mich allerdings immer häufiger, wie lange sich Menschen diesen Zwang noch gefallen lassen und sich dem Unsinn des erfolgreichsten Märchenbuches aller Zeiten unterwerfen. Wissenschaftler vieler Nationen haben hunderte von Malen nachgewiesen, dass Gott nicht die Erde oder den Menschen erschaffen haben kann. Unser Planet ist auch keinesfalls wichtiger als andere und schon gar nicht der Mittelpunkt des Universums als Krone der Schöpfung. Schon der berühmte Kopernikus störte die Kirche seinerzeit erheblich, als er feststellte, dass es in einem unendlichen Kosmos keinen Mittelpunkt geben kann. Und heute wissen wir exakt: »Wir befinden uns nicht einmal im Zentrum unserer eigenen Galaxie, sondern in einem der äußeren Spiralarme, sozusagen in der tiefsten galaktischen Provinz, rund 26.000 Lichtjahre vom Zentrum der Milchstraße entfernt. Neben unserer Sonne tummeln sich in unserer Galaxie 300 Milliarden weitere Sterne, wobei die Milchstraße nur eine Galaxie unter schätzungsweise 100 Milliarden Galaxien mit etwa 70 Trilliarden Sternen ist« (*1).

Man weiß, dass unser kleines Universum schon 13,7 Milliarden Jahre (*2) auf dem Buckel hat -, unsere Sonne und die geliebte Erde sich aber erst vor 4,6 Milliarden Jahren (*2) diesem galaktischen Ensemble anschlossen. Als vor 65 Millionen Jahren (*2) durch Meteoriteneinschläge die Saurier ausstarben, konnten sich erstmals die Säugetiere entfalten – unter anderem auch die biologische Ordnung der Primaten, der wir angehören. Vor rund 15 Millionen Jahren, also quasi erst kürzlich, trennten sich die Stammlinien verschiedener Affenarten von unserer. Die Vorfahren der Orang-Utans und Gorillas trennten sich und entwickelten jeweils andere Stammlinien, als die der heutigen Schimpansen und Bonobo, welche sich erst spät vom Stammbaum des Menschen-Vorgängers trennten. Deswegen sind wir enger mit Schimpansen verwandt als diese mit den Gorillas. Sollten Sie beim nächsten Zoobesuch mal berücksichtigen. Der Affe, der Sie da freundlich anlächelt oder auch total ignoriert, ist uns nicht unähnlich. Wir aber haben uns aufgeschwungen – und da trägt die Kirche große Mitschuld – zu den Herren der Schöpfung, die u.a. dieses bedauerliche Bonobo-Kerlchen zu lebenslang hinter Gitter verurteilt haben, weil wir behaupten, seine Art so retten zu können. Nachdem wir vorher alles erdenklich Mögliche getan haben, exakt seinen wilden Lebensraum zu zerstören. Ekelhaft haarsträubende Menschen-Philosophie!

Zurück zu meiner Ursprungs-Frage »Was bedeutet Dir dein Leben«. Ich will in meinem Aufsatz weder zu Kirchenaustritten aufrufen, noch zum Hinschmeißen ermuntern. Ich möchte, dass wir alle gemeinsam ernsthafter über die Absehbarkeit unseres eigenen Lebens, als auch über das der Erde nachdenken. Dazu gehört kritischer mit dem umzugehen, was uns die scheinbar Mächtigen vorsetzen genauso -, wie endlich zu begreifen, dass es nach unserem Tod weder Himmel noch Hölle geben wird.

Leben ist jetzt! Jeder in seiner Zeit, die weder vorbestimmt ist, noch verhandelbar. »Da wo die Angst ist – da gehts lang!« hab ich heute in einem Newsletter gelesen. Fand ich klasse! Soll soviel heißen, wie spüre Dich selbst, probier dich aus, mach was anderes als deine Vorfahren. Wer ewig die gleichen Wege geht, wird immer nur ans gleiche Ziel gelangen -, und einen noch: »Lieber ein Tag nur Löwe sein, als hundert Tage Schaf«. Weisheiten hat der Volksmund reichlich, nur an der Umsetzung scheitert es gewaltig. Auch nach 200.000 Jahren Menschheit. Gewiss, wir fliegen zum Mond und zum Mars (lächerliche Entfernungen, wie man heute weiß) um Wissen zu sammeln. Wir bewältigen Strecken, für die man im Mittelalter 1 Jahr brauchte, heute an einem einzigen Tag. Wir kennen Tausend Leute über Facebook, aber kaum noch jemanden im eigenen Dorf. Umweltvernichtung in gigantischen Ausmaßen sind die Folge all dieser netten Annehmlichkeiten. Das arktische Eis schmilzt unaufhörlich, weil die Temperaturen ständig steigen (Treibhauseffekt). Eigentlich sollte die Erde noch knapp 500 Millionen Jahre halten, bis alles Leben auf ihrer Oberfläche durch die zunehmende Sonnenhitze verbrannt sein würde. Aber wenn das so weitergeht, schaffen wir Menschen das sicher schneller.

Aber egal, ob 500 Millionen Jahre, oder nur 50.000 Jahre – es lohnt sich immer noch jede Anstrengung und jede Wertschätzung, den Schaden, den wir Menschen in nur wenigen hundert Jahren angerichtet haben, zumindest teilweise wieder gut zu machen. An der Umwelt, an den Tieren und an uns Menschen selbst. Was also bedeutet Dir Dein Leben heute? Jetzt gerade? Bist Du glücklich? Lebst Du in Frieden mit Dir und den Deinen? Hast Du ein Dach über dem Kopf und genug zu essen und noch genug Wasser bevor Nestlé demnächst alle Rechte zur Privatisierung vom Zugang zu Wasser erhält? Und freust Du Dich noch über Dein neues Auto? Okay, verstehe -, die Benzinpreise versauen einem schon den Tag. Ja ja, die heutige Welt wird immer verrückter, aber wem wollte man das anlasten, als uns selbst. Gott wird da nicht helfen. Ihn gibt es nicht in der Form, die die Bibel beschreibt. Weil wir alle lesen und schreiben können, uns schlau gemacht haben und die Lügen durchschauen. Das war doch die Sorge, die der Klerus und die Herrschenden früherer Jahrhunderte immer hatten: wenn das Volk wissend sein würde, stellten sie unbequeme Fragen. Brot und Spiele reichten dann nicht mehr. Aber das Volk ist heute wissend und dennoch fragen sie alle viel zu wenig.  Aber eines kann jeder Mitspieler im Film »2013« kostenfrei und ohne Anstrengung tun: seine ureigene Liebe aktivieren. Freundlich, fröhlich und lebensbejahend in den Tag gehen. Diese Quelle ist unerschöpflich…

Bleiben Sie wertschätzend | Det Mueller |

Zitat (*1) und Fakten (*2) aus dem wunderbaren Büchlein von Dr. Michael Schmidt-Salomon »Keine Macht den Doofen«; Piper Verlag, 5,99 Euro – unbedingt lesenswert!

Foto: © Mario van Middendorf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.