Dank an meine Leser: 8 lange Jahre Lohas-Blog aus Köln

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Wahrscheinlich muss einem erst einmal so richtig der Kamm anschwellen, bis der Kragen platzt und man sich selber sagt, nee, so nicht mehr! Bei mir war das ganz anders. Ich habe lange vor Erscheinen des Lohas-Blog über die Nachhaltigkeit auf meinem alten Business-Blog geschrieben: ich wollte sinnvoll Geld verdienen! Damals hatte ich noch eine Werbeagentur, suchte eine Nische und war auf der Jagd nach Firmen, die sich zu dieser Idee des nachhaltigen Handelns hingezogen fühlen könnten. Für die wollte ich ganz tolle Kampagnen machen. Was ich aber erntete waren Kopfschütteln und Unverständnis. Als ich dann auch noch von ‚Strategischem Konsum‘ anfing, war ich für einige Unternehmer kein Gesprächspartner mehr…

Auch die Presse machte sich anfangs lustig und ich las mehr als einmal, dass die Anhänger dieser neumodischen Idee „Lohasen“ genannt wurden. Das „S“ in LOHAS steht ja für Sustainability – also für Nachhaltigkeit und keineswegs für den Plural von LOHA. Ich war froh, als sich der neue Begriff durchsetzte. Er machte vieles leichter und den neuen Lebensstil salonfähig. Und bei mir selbst trat eine grundlegende Wandlung ein. Je mehr ich mich über Jahre mit dem Thema befasste und mir die tiefgreifenden Zusammenhänge klar wurden, desto überzeugte wurde ich davon. Ich habe allerdings immer auch klargestellt, dass ich weder Moralist noch Dogmatiker sein will. Ich selbst mache überhaupt nicht alles besser, als andere. Aber zumindest bemühe ich mich, mein Fehlverhalten in einem vertretbaren Rahmen für Mensch, Tier und Natur zu halten.

Heute, fast 1.400 Blog-Posts und 8 Jahre weiter, hat jeder Mensch in unserem Land schon einmal von Nachhaltigkeit gehört. Natürlich nicht nur durch mich oder die anfänglichen drei leidenschaftlichen Mitstreiter anderer sehr bekannter Blogs, sondern durch Bücher, Podiumsdiskussionen, Initiativen, Beratungsfirmen und Think Tanks. Und durch die zahllosen neuen Blogs, die sich im Laufe der Jahre gefestigt haben. Manches hat sich seit damals zum Guten gewendet. Klasse! Aber leider nicht alles. Die Rücksichtslosigkeiten im Umgang mit Mensch und Natur werden zwar seltener, dafür aber intensiver und vorallem perfider. Die Globalisierung hat ihren Teil dazu beigetragen, auch manche Gesetze und die schier endlose Gier nach Wachstum und Umsatzsteigerung. Damit besonders die Korruption. Diese Natter kriecht heute durch unendlich viele Korridore in Europa.

Ich hatte vor Jahren den Traum, dass neue Generationen anders denken und handeln würden als wir. Das machen sie tatsächlich auch vermehrt; vermutlich gab es noch nie so viele kleine Firmen und große Unternehmen, die feste Nachhaltigkeitsregeln in ihre Leitlinien aufgenommen haben wie heute. Zertifizierung ist in aller Munde.

Aber irgendwas ist dabei schief gegangen, denn ich habe den Eindruck, das es auch noch nie so viele riesige Geländewagen, Supersportwagen und Großraumlimosinen bei uns gegeben hat wie aktuell. Auch Produktion und Absatz von Tierfellen haben letztes Jahr um ein Vielfaches zugenommen und Traumerlöse erwirtschaftet. Die Lebensmittelwirtschaft ‚verarscht‘ uns bei jedem Gang in den Supermarkt. Wissen Sie, warum manche Supermarktketten Lupen an den Einkaufswagen angebracht haben? Nein, nicht aus Entgegenkommen. Allein deswegen, weil es die Lobbyisten der Ernährungsindustrie fertiggebracht haben, sich gegen größere Schriften auf den Packungen durchzusetzen, was die Gesetzgeber ursprünglich mal geplant hatten. Wir sollen wissentlich und absichtsvoll davon abgehalten werden, das ‚Kleingedruckte‘ zu lesen. Könnte ja Spuren von Wahrheit enthalten.

Mein Fazit nach 8 Jahren Lohas-Blog fällt dementsprechend auch gedämpft fröhlich aus. Gewohnheiten zu ändern, ist ein Prozess der einen unglaublich langen Atem braucht. Ich sehe selbstverständlich viele tolle Veränderungen und Menschen die Sagenhaftes bewegt und realisiert haben. Aber ich sehe auch die vielen Nachahmer und Trittbrettfahrer, die sich Gütesiegel erschleichen oder jene Unternehmer und Privatpersonen, die sich weder im Kopf noch im Herzen auch nur annähernd dem Lohas-Gedanken zugewendet haben.

Eigentlich Grund genug weiter zu schreiben, obwohl ich schon öfter fast aufgegeben hätte…

Bleiben Sie wertschätzend | Det Mueller

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